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Auto-Notfallset: Was muss wirklich rein?

  • Autorenbild: Drive Safe Foudation
    Drive Safe Foudation
  • 10. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Die gesetzlich vorgeschriebene Ausstattung eines Fahrzeugs umfasst in Deutschland lediglich Warndreieck, Warnweste und Verbandskasten. Diese Mindestanforderungen sind jedoch für viele Situationen unzureichend. Wer auf Pannen, Unfälle oder andere Notfälle vorbereitet sein möchte, sollte sein Fahrzeug mit zusätzlicher Ausrüstung ergänzen. Dabei stellt sich die Frage, was sinnvoll ist und was nur unnötig Platz im Kofferraum belegt. Wir geben einen Überblick über die wirklich nützlichen Bestandteile eines durchdachten Notfallsets.



Gesetzliche Mindestausstattung


Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung definiert die Mindestausstattung, die jedes zugelassene Fahrzeug mitführen muss. Das Warndreieck gehört seit Jahrzehnten zu dieser Grundausstattung. Es dient der Absicherung von Unfall- und Pannenstellen und muss bei Aufstellung auf der Fahrbahn oder am Fahrbahnrand für den herannahenden Verkehr erkennbar sein. Die vorgeschriebenen Aufstellentfernungen variieren je nach Straßentyp und dienen dazu, nachfolgenden Fahrzeugen ausreichend Reaktionszeit zu geben.


Die Warnwestenpflicht wurde in Deutschland im Jahr 2014 eingeführt. Seitdem muss in jedem Fahrzeug mindestens eine Warnweste vorhanden sein, die den Normen EN 471 oder EN ISO 20471 entspricht. Die Weste muss bei Verlassen des Fahrzeugs nach einer Panne oder einem Unfall getragen werden und erhöht die Sichtbarkeit erheblich. Für optimalen Schutz empfiehlt sich die Mitnahme einer Warnweste für jeden Insassen, auch wenn das Gesetz nur eine verlangt.


Der Verbandskasten nach DIN 13164 vervollständigt die gesetzliche Mindestausstattung. Der Inhalt wurde im Jahr 2022 aktualisiert und umfasst nun auch medizinische Gesichtsmasken. Der Verbandskasten muss innerhalb seines Verfallsdatums sein und regelmäßig auf Vollständigkeit überprüft werden. Abgelaufene Materialien können ihre Sterilität verloren haben und sollten ersetzt werden.


Sinnvolle Ergänzungen für den Alltag


Über die gesetzlichen Anforderungen hinaus existiert eine Reihe von Gegenständen, die in bestimmten Situationen äußerst hilfreich sein können. Die Zusammenstellung eines erweiterten Notfallsets orientiert sich an den wahrscheinlichsten Szenarien und den individuellen Bedürfnissen des Fahrzeughalters.


Eine Taschenlampe gehört zu den vielseitigsten Hilfsmitteln im Fahrzeug. Bei Pannen in der Dunkelheit ermöglicht sie die Orientierung und das Arbeiten am Fahrzeug. Nach einem Unfall kann sie zur Inspektion des Schadens oder zur Suche nach verlorenen Gegenständen dienen. Moderne LED-Taschenlampen sind kompakt, langlebig und bieten eine hohe Lichtausbeute bei geringem Stromverbrauch. Wichtig ist eine regelmäßige Überprüfung der Batterien oder ein Modell mit Akkubetrieb und Ladefunktion.


Eine Rettungsdecke nimmt zusammengefaltet kaum Platz ein und kann in verschiedenen Situationen lebensrettend sein. Die silber-goldene Folie isoliert gegen Kälte und Wärme gleichermaßen. Bei Unfällen schützt sie verletzte Personen vor Unterkühlung, bei Pannen im Winter bietet sie zusätzliche Isolierung während der Wartezeit auf Hilfe. Die goldene Seite nach außen reflektiert Sonnenstrahlung, die silberne Seite nach außen hält die Körperwärme zurück.


Technische Hilfsmittel für Fahrzeugpannen


Neben den bereits behandelten Mitteln zur Reifenpannenbehebung existieren weitere technische Hilfsmittel, die bei Fahrzeugproblemen nützlich sein können. Ihre Mitnahme hängt von der individuellen Risikoeinschätzung und den technischen Kenntnissen des Fahrers ab.


Ein Starthilfekabel ermöglicht das Anlassen eines Fahrzeugs mit entladener Batterie mithilfe eines Spenderfahrzeugs. Die korrekte Anwendung erfordert Kenntnis der Polung und der richtigen Reihenfolge beim Anklemmen und Abklemmen. Moderne Lithium-Ionen-Starthilfegeräte bieten eine Alternative ohne Spenderfahrzeug und können zusätzlich als Powerbank für elektronische Geräte dienen. Ihre Kapazität reicht in der Regel für mehrere Startvorgänge.


Ein Abschleppseil oder eine Abschleppstange kann in Situationen helfen, in denen das Fahrzeug nicht mehr aus eigener Kraft fahren kann, aber noch rollfähig ist. Die Verwendung eines Abschleppseils erfordert Abstimmung zwischen den Fahrern beider Fahrzeuge und unterliegt rechtlichen Vorschriften bezüglich Kennzeichnung und Höchstgeschwindigkeit. Abschleppstangen bieten mehr Kontrolle, sind aber sperriger in der Aufbewahrung.



Dokumente und Kommunikationsmittel


Im Falle eines Unfalls oder einer Panne sind bestimmte Dokumente erforderlich oder zumindest hilfreich. Ihre Aufbewahrung im Fahrzeug spart Zeit und vermeidet Komplikationen bei der Unfallaufnahme oder Schadensregulierung.

Der europäische Unfallbericht ist ein standardisiertes Formular, das die Dokumentation eines Unfalls erheblich vereinfacht. Er wird von beiden Unfallbeteiligten ausgefüllt und enthält alle relevanten Informationen zu Fahrzeugen, Fahrern, Unfallhergang und Schäden. Die einheitliche Struktur erleichtert die spätere Bearbeitung durch Versicherungen, insbesondere bei Unfällen im Ausland.


Ein Kugelschreiber zum Ausfüllen des Unfallberichts gehört ebenfalls ins Fahrzeug. Im digitalen Zeitalter scheint dies banal, doch nach einem Unfall ist ein funktionierender Stift keine Selbstverständlichkeit. Ein zusätzlicher Notizblock ermöglicht das Festhalten von Informationen, Kennzeichen oder Zeugenaussagen.


Die wichtigsten Telefonnummern sollten auch unabhängig vom Mobiltelefon verfügbar sein. Ein leerer Akku oder ein beschädigtes Telefon kann die Kommunikation unmöglich machen. Eine Karte mit den Nummern des Pannendiensts, der Versicherung und wichtiger Kontaktpersonen bietet eine Absicherung für diesen Fall.


Saisonale Anpassungen


Die optimale Zusammensetzung eines Notfallsets variiert mit den Jahreszeiten. Bestimmte Risiken treten verstärkt in den Wintermonaten auf, während andere eher sommerlichen Charakter haben. Eine saisonale Anpassung der Ausstattung erhöht die Einsatzbereitschaft.


Im Winter stehen Kälte und Schnee im Vordergrund. Warme Handschuhe ermöglichen Arbeiten am Fahrzeug ohne Erfrierungsgefahr. Eine kleine Schaufel hilft beim Freischaufeln festgefahrener Räder. Enteisungsspray für Schlösser und Scheiben verhindert morgendliches Festfrieren. Eine warme Decke bietet zusätzlichen Schutz bei längeren Wartezeiten in der Kälte. Streugut oder Traktionsmatten können bei Glatteis die entscheidende Hilfe sein, um ein festgefahrenes Fahrzeug zu befreien.


Der Sommer bringt andere Herausforderungen. Ausreichend Trinkwasser sollte bei Fahrten in der heißen Jahreszeit immer mitgeführt werden. Bei einer Panne in der Sommerhitze droht ohne Flüssigkeitszufuhr schnell eine Dehydrierung. Ein Sonnenschutz für die Windschutzscheibe verhindert das extreme Aufheizen des Innenraums während des Parkens. Bei Fahrten in Gebiete ohne Mobilfunkempfang gewinnt ein analoges Backup an Bedeutung.


Organisation und Aufbewahrung


Die bloße Anwesenheit von Notfallausrüstung im Fahrzeug reicht nicht aus. Die Gegenstände müssen im Ernstfall schnell auffindbar und zugänglich sein. Eine durchdachte Organisation spart wertvolle Zeit und verhindert, dass wichtige Hilfsmittel unter dem sonstigen Kofferrauminhalt begraben werden.


Eine spezielle Notfalltasche oder -box fasst alle wichtigen Gegenstände zusammen und verhindert, dass sie sich im Kofferraum verteilen. Die Tasche sollte einen festen Platz haben und dort auch nach dem Be- und Entladen des Kofferraums verbleiben. Einige Fahrzeuge bieten spezielle Fächer oder Befestigungsmöglichkeiten für solche Ausrüstung.


Die Anordnung innerhalb der Tasche folgt der Häufigkeit und Dringlichkeit der Verwendung. Die Warnweste sollte ganz oben oder außen liegen, da sie als Erstes angelegt werden muss. Das Warndreieck benötigt ebenfalls schnellen Zugriff. Gegenstände, die eher selten benötigt werden, können weiter unten verstaut werden.


Eine regelmäßige Inventur der Notfallausrüstung stellt sicher, dass alle Bestandteile vorhanden und einsatzbereit sind. Verfallsdaten von Verbandsmaterial und Dichtmitteln werden überprüft, Batterien von Taschenlampen getestet, die Vollständigkeit kontrolliert. Ein fester Termin, etwa beim halbjährlichen Reifenwechsel, eignet sich als Erinnerungshilfe für diese Routine.

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